ehemalig Groß Heere

Die erste urkundliche Erwähnung Groß und Klein Heeres stammt vom 7. Februar 1131, als Kaiser Lothar III. (1075 bis 1137,) das Kloster Riechenberg unter seinen Schutz nahm und ihm seine Besitzungen bestätigte. In dieser Urkunde wird neben etlichen anderen Ortschaften der Umgebung auch "Herre" genannt.

Die Ländereien des Ortes gehörten den Wohldenberger Grafen, die sie an verschiedene Klöster weitergaben, so beispielsweise an die Klöster Riechenberg bei Goslar, Wöltingerode, Derneburg und Sankt Michael in Hildesheim. Auch der Hildesheimer Bischof war im Ort begütert, so erwarb er 1293 vom Grafen Heinrich von Wohldenberg sechs Hufen Land.

Eine Adelsfamilie, die in Diensten des Bischofs und der Grafen von Wohldenberg stand und die in Henneckenrode sowie in Groß Heere mit Gütern belehnt war, ist von der Mitte des 12. Jahrhunderts bis 1567 im Ort nachweisbar. Zwei Grabplatten an beiden Seiten des Altars in der Kirche erinnern noch heute an diese Familie, deren nahe der Kirche gelegenes Gut 1578 an die von Saldern und 1644 an die Hildesheimer Kaufmannsfamilie von Storre fiel.

Nach dem Aussterben der Familie von Storre belehnte der Hildesheimer Bischof die Fürstenfamilie von Westphalen mit dem Gut, die es bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts bewirtschaftete. 1817 erwarben Groß und Klein Heerer Einwohner die Ländereien für 50 000 Taler und teilten sie auf. Alle Gebäude des Gutshofes wurden bis auf das Wohnhaus abgebrochen. Nachdem dieses etwa hundert Jahre lang als Zigarrenfabrik gedient hatte, wird es seit geraumer Zeit als Wohnhaus genutzt.

Von 1523 bis 1643 gehörte Groß Heere als ein Dorf des vom Braunschweiger Herzog nach der Stiftsfehde annektierten Hildesheimer Großen Stiftes zum Herzogtum Braunschweig. In dieser Zeit - 1539 - zählte man im Ort in 47 Wohnstätten 244 Einwohner. Etwa drei Jahrzehnte später waren es in 53 Wohnhäusern 348 Menschen. Die folgenden Einwohnerzahlen liegen aus dem Jahre 1646 vor, als zwei Jahre vor Ende des Dreißigjährigen Krieges in 48 Häusern 250 Groß Heerer wohnten.

Als am 13. Juli 1769 eine "Land Beschreibung des Dorfes Großen Heerde behuef Der angelegten Kriegs Steuer" erstellt wurde, gehörten zu dem etwa 300 Einwohner zählenden Groß Heere 1088 ½ Morgen Land und 108 ¼ Morgen Wiese, die von Pfarrer Alberti, vom Schulmeister Schröder, von fünf Ackermännern und etwa 45 Kotsassen bewirtschaftet wurden.

Vor 116 Jahren, am 9. Dezember 1883, lebten in Groß Heere 817 Menschen. 1961 waren es 982, 1971 hatte das Dorf 780 Bewohner und am 30. November 1998 wohnten in Heere - eine Trennung zwischen Groß und Klein Heere erfolgt nicht mehr - insgesamt 1213 Menschen.

Vielfältig ist das Vereinsleben in Heere: Bereits 1848 entstand eine Bürgerwehr - der heutige Schützenverein. 1870 und 1872 wurden die beiden Vorgängervereine des Männergesangvereins gegründet. Aus dem Kriegerverein von 1882 entwickelte sich die Kyffhäuser-Kameradschaft. Seit 1906 gibt es den Radsportverein Germania, seit 1920 den Sportverein, der 1973 im Sportverein Innerstetal aufging, seit 1966 den Musikverein und seit 1990 den Frauenchor. Zu diesen Vereinen gesellen sich die 1891 als gemeinsame Wehr mit Klein Heere gegründete Freiwillige Feuerwehr sowie der Bund der Vertriebenen, der SPD-Ortverein und die Arbeiterwohlfahrt.

Eine Schule besaß Groß Heere seit Mitte des 17. Jahrhunderts, ein neues Schulhaus entstand 1886. In diesem Gebäude wurde bis zur Auflösung der Schule am 31. Juli 1972 unterrichtet, seit 1976 ist in ihm der Kindergarten Heere / Sehlde untergebracht. Die Groß Heerer Grundschüler besuchen die Schule in Sehlde, die älteren schulpflichtigen Jugendlichen die in Baddeckenstedt beziehungsweise in Salzgitter oder Hildesheim.

Ein Pfarrer wird in Heere erstmals 1276 erwähnt, die Pfarre erstmals 1295. Seit der Reformation hatte Heere immer einen eigenen Pfarrer, zur Zeit bilden Heere und Sehlde einen Pfarrverband mit Sitz in Sehlde. 1839 musste das 1785 an den aus dem Mittelalter stammenden Turm angebaute Kirchenschiff wegen Baufälligkeit abgebrochen und durch einen Neubau ersetzt werden.

Ein Einwohner Groß Heeres erlangte als Astronom große Bedeutung: Der 1835 geborene Pastorensohn August Winnecke war Assistent an der Berliner Sternwarte, von 1858 bis 1867 Vizedirektor der Sternwarte in Pulkowa bei Sankt Petersburg und später Leiter der Sternwarte in Straßburg, wo er auch eine neue Sternwarte bauen ließ. Winnecke starb 1897 in Bonn.

(Text: Wilfried Bartels †2004)

Informationen zur Ortsgeschichte erhalten Sie über:
Herr Udo Heinecke
(SPD)
Gasse 2
38277 Heere
Telefon
 : 
05345/1364
Visitenkarte anzeigen
Detailansicht anzeigen

 
Details
 

Baddeckenstedt ehem. Groß Heere

Baddeckenstedt ehem. Klein Heere

 

Letzte Änderung: 23.01.2005